
Betroffene
>> Als sie sagten, wir würden zusammengehen, dachte ich: Das klingt erst mal nach Augenhöhe. Unsere Firma, ein beschauliches, lange familiengeführtes Unternehmen in Junip, wurde zwar gekauft – aber ich hatte das Gefühl, es könnte ein echtes Miteinander werden. Könnte. Meine anfängliche Euphorie ist heute – fast vier Jahre später nicht mehr zu spüren.
Doch was ist eigentlich anders?
Früher war auch nicht alles perfekt, aber vertraut. Man kannte sich. Die IT war alt, das Mobiliar auch – aber es war eben unser System. Damals hat man die Inhaber persönlich gesehen und auch wenn nicht immer Zeit war, man hatte das Gefühlt ihnen ist es wichtig, wie es uns geht. Jetzt kommt kaum jemand vorbei. Die neuen Vorgaben kommen per Email aus der Zentrale. Wir stellen alles um. Logo, neue Sprache, neue Erwartungen. Das was wir hatten war nicht mehr gut – nicht mehr zeitgemäß. Aber es war ein Teil von uns. 400km weiter in der Zentrale wirkt alles modern und durchgestylt. Hier bei uns knarzen Boden und die Stimmung. Wenn wir versuchen, unsere Themen zu platzieren, kommt von oben meist nur ein genervter Blick.“ <<
>> Ich kann es nicht fassen. Haben die nichts anderes zu tun, als ständig wegen jedem Stift, der in der Zentrale mehr gekauft wird, zu jammern. Wir stehen unter massiven Marktdruck. Die Integration der Systeme ist immer noch nicht abgeschlossen. Und dort wird weiterhin nach etwas gefordert, dass nun wirklich nicht ausschlaggebend sein kann. Immer wieder dieselbe Leier: „Die bekommen das – wir bekommen das nicht“. Zwei Standorte, zwei völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Wir können nicht alles angleichen. Ja, wir wissen, dass das viele Veränderungen sind.
Aber es kommt kaum etwas Konstruktives. Immer nur Kritik, immer nur Forderungen. Dabei war deren alte Welt sehr antiquiert. Sie können froh sein, dass schon so viel passiert ist. <<
Betroffene zu Beteiligten machen
Bei Firmenübernahmen trifft vieles aufeinander. Unterschiedliche Prozesse, unterschiedliche Systeme und auch unterschiedliche Identitäten.
All das summiert sich in der Kultur. Denn die entsteht im Alltag. In der Art, wie kommuniziert wird, in der Art, wie Konflikte gelöst oder nicht gelöst werden. Auch die Art wie Räume ausgestattet sind oder welche Bewirtung es gibt sind Teile einer Kultur.
Vieles ist bei Fusionen geplant. Neue Organigramme, Prozesse um die IT zusammen zu bringen und sogar gemeinsame Team Events.
Was meist nicht auf dem Plan steht: Verunsicherung, Identitätsfragen, Verlustgefühl.
Auch wenn sich Kultur nicht direkt „bearbeiten“ lässt, kann man Räume schaffen, in denen ein neuer Rahmen entsteht. Einer, der beiden Seiten Platz gibt. Das kann auch Jahre danach – in der Post-Merger-Phase noch Sinn machen.
Sprechen Sie mich gerne an, wenn Sie Ihre Fusion nicht nur technisch, sondern kulturell wirksam gestalten wollen